Jahrestafel und Geschichte der Kirche
-Daten in der Geschichte des Gebäudes Petrus-Kirche 
  • 1905/07  Bau der evangelischen Garnisonkirche, Petrus-Kirche

  • 1907/09  Bau von Pastorat, Konfirmandensaal, Verwaltungsgebäude

  • 1939  Neuer Altar von Otto Flath

  • 1944  Kriegszerstörungen des Daches über Langhaus und Chor

  • 1949  Wiederherstellung, ab jetzt auch von den Wiker Zivilgemeinden genutzt

  • 1980  Eintragung in das Denkmalbuch als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“

  • 1981  Fertigstellung der St. Lukas-Kirche als Kirche für die Wiker Kirchengemeinden

  • 1984  Gründung des Fördervereins für die Petrus-Kirche Kiel-Wik e.V.

  • 1985  Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Kiel kauft die Kirche als Veranstaltungssaal für Konzerte, Vorträge und kirchliche Veranstaltungen

  • 2015/2016 umfangreiche Umbauarbeiten, Neudeckung des Daches, neue Heizung

  • 2016 Feierliche Wiedereröffnung am 13.3.: Die Apostel Kirchengemeinde bezieht ihr neues Zuhause

  • 2017 Das Gemeindehaus in der Adalbertstr. wird wieder zu Gemeinderäumlichkeiten und erfährt dafür einige Umbauten. 


Ablauf der Geschichte
Kurz nachdem Kiel zum Reichskriegshafen erhoben worden war, wurde auf einem Hügel über dem Niemannsweg die erste Garnisonskirche, die Pauluskirche, 1878-82 erbaut. Die beständig anwachsende Kaiserliche Marine machte den Bau weiterer Kirchen für die Angehörigen der Marine nötig, um zugleich Probleme mit der alten Garnisonskirche als Simultankirche zu lösen. So wurde eine neue größere Kirche 1905-07 in der Wik, die Petruskirche, für die evangelischen Militärangehörigen errichtet, und bald darauf entstand unweit dieser an der Feldstraße die katholische St. Heinrichkirche. Großadmiral Alfred von Tirpitz, "Vater" der Flottengesetze, gab als Staatssekretär im Reichsmarineamt den Auftrag zum Bau der beiden Kirchen, nachdem das Reichsschatzamt aus Geldmangel die Mittel zunächst nicht bereitstellen wollte. Die Gesamtkosten für die Petruskirche wurden auf 300.000 Mark veranschlagt, aber um fast 100.000 Mark überschritten.  


Für den Bau der evangelischen Kirche bestimmte Tirpitz das erfolgreiche und im Sakralbau ausgewiesene Karlsruher Architektenbüro der beiden gebürtigen Schweizer Karl Moser und Robert Curjel. Seine interessierte Teilnahme ging so weit, dass er von den Architekten forderte, eine "Baugruppe" - aus Kirche, Konfirmandensaal, Pfarrhaus und Verwaltungsgebäude - zu entwerfen, die in Backstein in "dort heimischen Bauformen" mit besonders großen Steinen in Klosterformat errichtet werden sollte.

Auf Anregung des Garnisons-Bauinspektors Adalbert von Kelm ordnete Tirpitz auch an, die Kirche zur Verbesserung der städtebaulichen Wirkung entgegen den sonst üblichen Regeln nicht zu osten, sondern zu norden. So entgeht der hohe mächtige Turm der Einengung durch die gegenüberliegende hohe geschlossene Häuserzeile auf der Westseite der "zivilen" Adalbertstraße und richtet sich zur Stadt hin, nach Süden aus. 1944 durch Bomben teilweise zerstört, konnte die Petruskirche vor allem durch Spenden der amerikanischen Sektion des Lutherischen Weltbundes 1949 innerhalb von zwei Monaten wieder aufgebaut werden.

 

Quelle: Faltblatt zum Tag des offenen Denkmals 1997
Herausgeber: 
Landeshauptstadt Kiel, Der Oberbürgermeister, Kulturamt, Untere Denkmalschutzbehörde

 
Über die Zerstörung der Petruskirche berichtet der damalige Marine-Dekan Sontag: 
Die evangelische Petruskirche, die damalige Garnisonkirche in der Wik erhielt ihre ersten größeren Schäden in der Nacht vom 23. zum 24. Juli 1944 bei einem Nachtangriff, der weitaus der Schwerste war, den Kiel bis dahin erlebt hatte. Von Elmschenhagen bis nach Friedrichsort reichte das Abwurfgebiet. Ich kam am Montag in der Frühe von einer Dienstreise zurück. Alle Straßen, durch die ich vom Bahnhof aus ging, sahen wüst aus. Oft nur mit Umwegen wegen der Trümmer kam ich vorwärts. Die katholische Garnisonkirche und das zugehörige Pfarrhaus an der Feldstraße waren sehr beschädigt. In der Wik im engeren Bereich der Petruskirche war u.a. das Chefarzthaus von einem Volltreffer zerstört und war nur noch ein Trümmerhaufen. Ich kam nicht weiter und mußte durch eines der Beamtenhäuser und durch das Lazarettgelände über den Kirchplatz den Zugang zur Kirche und zum Pfarrhaus gewinnen. 

In der Kirche waren die Fenster fast alle zerstört, vor allem die mit den Schiffswappen. Das Dach hatte gelitten. Ob das Mauerwerk in Mitleidenschaft gezogen war, konnte ich natürlich nicht feststellen. Durch den Garten kam ich in das Pfarrhaus, das ausserrordentlich stark gelitten hatte. Mein erster Eindruck war geradezu niederschmetternd. 

Die Fenster waren zerstört, das Dach wies große Lücken auf. Der vordere Zugang war zwar begehbar, aber vor dem Haus befand sich ein großer Sprengtrichter von einer Bombe. Im Hause stellte ich Risse an den Decken zwischen 1-3 cm fest. Die Fensterrahmen saßen nur noch locker im Mauerwerk, die Fußböden waren mit Glas bedeckt. Die Türen waren lose, die Türrahmen zum Teil herausgedrückt. In der oberen Wohnung bzw. dem oberen Teil der Wohnung sah es noch schlimmer aus. Die Seitenwände vor den Dachschrägen waren herausgedrückt und zersplittert, ebenso die Fenster. Praktisch war dieser Teil der Wohnung nicht mehr bewohnbar. 

Die Zerstörung, die dann die Kirche unbenutzbar machte, geschah am 8.8.1944. Als Alarm gegeben wurde, gingen wir - d.h. der Küster Griem und der Verwaltungsbeamte Peters und ich - wie es angeordnet war, in den Bunker. Die Beobachtung der Kirche etc. übernahm die Hauptwache. Zunächst blieb alles ruhig. Dann aber kam es dick. Von den Einschlägen der Bomben erschütterte der Bunker. Es wurde durchgegeben, daß anscheinend nur die Wik diesmal betroffen war. Höchstwahrscheinlich waren die Walter Werke das eigentliche Ziel. Als mir mitgeteilt wurde, daß die Kirche brannte, wollte ich aus dem Bunker. Ich wurde aber nicht hinausgelassen. 

Als wir endlich raus kamen, sahen wir, daß der Dachfirst der Kirche in einer Tiefe von beiderseits etwa 2 - 3 Meter weggebrannt war. Dann konnte der Brand aufgehalten werden. Alle Sachen konnten geborgen werden. Während wir noch im Bunker saßen, hatte der Pastor Lucht aus Ascheffel, derzeitiger Marine-Kriegspfarrer, die Kirche als Schutz aufgesucht.  Er konnte mit einigen Soldaten die Altarfiguren und die Taufgruppe bergen, ebenso den Teppich und die meisten Gedenktafeln. Als Peters, Griem und ich dazu kamen, konnten wir noch die Kirchenbücher und den sonstigen Inhalt der Sakristei hinausschaffen. Es gelang mir, einen Marine-LKW zu bekommen. Ich habe dann alle geretteten Sachen in die Hüttener Kirche vor Ascheffel bringen lassen. Pfarrer Lucht hatte seine Kirche zur Verfügung gestellt. 

Von der Kirche wurde dann später nur ein Streifen über der Orgel und über dem Altarraum gedeckt. Das Übrige des Daches sollte mit Dachpappe unter den Sparren abgedichtet werden. Die Fenster der Kirche wurden mit Kapokplatten geschlossen.  Die Gottesdienste fanden seit dieser Zeit im Konfirmandensaal statt, je einer am Vormittag und gegen Abend.

Restaurierung der Jugendstilverglasung 

Neue Fenster in der Petruskirche eingeweiht

Von Reinhart Kauffeld

Kiel - Die Petruskirche in der Wik, mit ihrem wuchtigen, weithin sichtbaren Turm, ist ein bedeutendes Zeugnis Kieler Stadtgeschichte. „Sie ist ein Ausdruck des Stolzes und ein Mahnmal für die Zerstörung unserer Stadt“, sagte der Kieler Propst Thomas Lienau-Becker in seiner Begrüßung. Mehr als zehn Jahre hat sich der Förderverein für die Petruskirche engagiert, Spenden für die Erneuerung der im Krieg zerstörten Jugendstilfenster zu sammeln. Mit Erfolg, denn am 27. Januar konnte die Einweihung der ersten vier Fenster auf der Ostseite gefeiert werden. In Anwesenheit vieler Spenderinnen und Spender würdigte Lienau-Becker die große gemeinsame Anstrengung, welches dieses Bauvorhaben ermöglichte.  

„Was der Krieg zerstört hat, haben Sie wieder hergestellt“, sagte Kiels Stadtpräsidentin Cathy Kietzer mit großer Anerkennung, „Sie haben der Petruskirche neues Leben geschenkt.“

Der Vorsitzende des Fördervereins, Pastor i. R. Ernst-Bernd Klemm beschrieb die Kirche als eine der bedeutendsten Jugendstilkirchen in Deutschland und als Wahrzeichen für den Kieler Norden. Erbaut wurde sie von 1905 - 07 als Garnisonkirche für die Marine. Nach der Beschädigung großer Teile der originalen Fenster im zweiten Weltkrieg wurden die Fenster in den 50er Jahren nur provisorisch verglast. Hinzu kamen zahlreiche Beschädigungen des Mauerwerks in den letzten Jahrzehnten. 

In mühevoller Kleinarbeit gelang es dem Sachverständigenbüro Ivo Rauch aus Koblenz die ursprünglichen Fenster zu rekonstruieren. Mit dem Einbau der Fenster wurde auch das Mauerwerk fachgerecht ausgebessert.

Rund 111 Tausend Euro hat die jetzige Restaurierung der vier Fenster gekostet. „Die Westseite wird vermutlich bei rund hundert Tausend Euro liegen, da weniger Planungsaufwand erforderlich ist und die Schäden am Mauerwerk geringer sind“, erläutert Karsten Wittorf, der Architekt des Kirchenkreises Altholstein die weiteren Planungen. Hierfür werden dringend weitere Spenden benötigt.

Mit Platz für 1100 Menschen ist die Petruskirche – neben der ähnlich großen St. Nikolaikirche am Alten Markt – die größte Kirche in Kiel.

Seit 1984 kümmert sich der Förderverein für die Petruskirche um deren Erhalt.

 

1985 kaufte der Kirchenkreis Kiel die Petruskirche, um sie seitdem als Konzert- und Veranstaltungskirche zu nutzen.

Laut Propst Lienau-Becker ist der Kirchenkreis im Gespräch mit Kirchengemeinden, um über eine Nutzung der Petruskirche als Gemeindekirche nachzudenken.

Mit Blick auf die (stockenden) Planungen für eine neue Konzerthalle am Kieler Schloss forderte Lienau-Becker aber auch eine Besinnung auf die eigenen Traditionen der Landeshauptstadt und rief dazu auf, die vorhandenen Säle mit Leben zu erfüllen. 

Geschäftsstelle Förderverein:
Förderverein f. d. Petrus-Kirche

Aukamp 69
24161 Altenholz

Ernst-Bernd Klemm
Kontakt: 

jeb_klemm@web.de

http://www.petrus-kirche.eu

Reservierung/Buchung der Kirche:

Ev.-Luth. Apostel-Kirchengemeinde
Adalbertstraße 10
24106 Kiel
Ralf Ziesemer

kontakt@akg-kiel.de
Tel.: 0431 1 64 56
Fax: 0431 1 39 04

© 2018

Förderverein für
die Petrus-Kirche

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now